Selbstliebe ist in aller Munde. Oft wird sie mit einem Wellnessbesuch, einem neuen Kleidungsstück, Schönheitsprodukten oder Fitness verbunden. All das kann wohltuend sein. Der eigentliche Kern der Selbstliebe liegt jedoch tiefer.
Sich selbst zu lieben bedeutet, sich mit den eigenen Facetten anzunehmen. Aufmerksam nach innen zu hören, die eigenen Empfindungen wahrzunehmen und Bedürfnisse ernst zu nehmen. Selbstliebe ist damit ein bewusster Prozess, der Verantwortung, Mitgefühl und Fürsorge für sich selbst umfasst.
Als Kinder sind wir auf Liebe, Anerkennung und Zugehörigkeit angewiesen. Dabei lernen wir früh, welche Seiten von uns willkommen sind und mit welchen wir eher auf Ablehnung stossen. Vielleicht war Trauer unerwünscht, Wut zu laut oder Freude nur dann angebracht, wenn sie in die Situation passte.
So beginnen wir, bestimmte Gefühle zurückzuhalten. Später versuchen wir häufig, unseren Wert durch Leistung, Anpassung oder Anerkennung von aussen zu sichern. Wir übergehen eigene Grenzen, funktionieren weiter und verlieren dabei zunehmend den Kontakt zu uns selbst.
Selbstliebe beginnt dort, wo wir diesen Kreislauf erkennen und uns wieder zuwenden.
Besonders deutlich zeigt sich unser Verhältnis zu uns selbst in der Sprache, die wir im inneren Dialog verwenden.
Sätze wie „Was hast du da wieder gemacht?“ oder „Ich bin einfach zu blöd“ gehen oftmals leicht über die Lippen. Würden wir so mit einem Menschen sprechen, der uns wichtig ist?
Selbstliebe heisst, uns auch dann mit Respekt und Mitgefühl zu begegnen, wenn etwas schiefgeht. Uns zu fragen, was gerade in uns geschieht, was wir brauchen und wie wir gut für uns sorgen können. Manchmal braucht es eine Entscheidung, manchmal eine klare Grenze, manchmal Ruhe oder einfach einen Moment, in dem alles da sein darf.
Selbstliebe bedeutet auch, das eigene Wohlbefinden ernst zu nehmen. Dazu gehört, die eigenen Grenzen zu kennen, ein Nein auszusprechen und sich im eigenen Leben einen festen Platz zu geben.
Das hat wenig mit Egoismus zu tun. Wer sich selbst wahrnimmt und gut für sich sorgt, kann auch anderen Menschen freier und aufrichtiger begegnen. Nähe entsteht dann weniger aus Abhängigkeit, Anpassung oder der Suche nach Bestätigung. Sie kann aus einer echten Verbundenheit heraus wachsen.
Je näher wir uns selbst kommen, desto leichter fällt es uns, auch andere Menschen in ihrer Eigenart anzunehmen.
Selbstliebe ist kein Ziel, das wir irgendwann endgültig erreichen. Sie wächst durch viele kleine Erfahrungen und Entscheidungen im Alltag.
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und fragen Sie sich:
Wie spreche ich mit mir, wenn mir etwas misslingt?
Wo übergehe ich meine eigenen Bedürfnisse?
Was würde mir heute wirklich guttun?
Wo braucht es ein klares Nein, damit ich mir selbst ein Ja geben kann?
Jeder kleine Schritt, mit dem wir uns selbst ernst nehmen, verändert die Beziehung zu uns. Daraus kann eine Kraft entstehen, die weit über uns selbst hinausreicht.